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Es gibt Menschen, die polarisieren, und das ganz absichtlich und mit viel Selbstironie.
Einer dieser Menschen ist Stefanie Sargnagel, die sich am 28.02.2018 zur Lesung ihrer bisher erschienenen Bücher bei uns im VolXhaus die Ehre gab.
Die 1986 in Wien geborene Künstlerin wirft mit Schimpfwörtern um sich wie andere mit Nettigkeiten oder Liebesbekundungen. Würde man ihre Lesung im Hauptabendprogramm im Fernsehen zeigen, müsste man jedes zweite Wort „auspiepsen“. Allerdings ist es genau diese, etwas rohe und ungeschönte Art, die Stefanie umso authentischer und menschlicher macht. Sargnagel, deren Markenzeichen die rote Baskenmütze ist, saß mit genau dieser auf unserer Bühne, las aus ihren Werken und gewährte durch Erzählungen Einblick in ihr Leben und Schaffen.

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Während ihrer Studienzeit an der Richter-Klasse an der Akademie der bildenden Künste Wien, arbeitete sie in einem Callcenter und diese Erfahrungen hat sie in ihrem ersten Buch „Binge Living – Callcenter Monologie“ niedergeschrieben.

Wenn man glaubt, schon alle Fragen gehört zu haben, dann ist man falsch gestrickt. Sargnagel erzählt mit einer sarkastischen, monotonen Art, wie ihr Alltag in der Telefonauskunft war, welch unglaubliche Fragen ihr da gestellt wurden (O-Ton: „Ich hätt gern ane Eier und a Milch… oda an Germknödl“) auf welch selbstsichere und oft ironische Weise sie diese meisterte. 

Aufgewachsen im Wiener Arbeitermilieu, war ihr Umfeld eher (wie sie es gern beschreibt) Ghetto und so verwundert es nicht, dass auch ihre Ausdrucksweise offen, ohne Chichi und Glamour ist. Stefanie fand dieses Leben immer ehrlicher als den aufgesetzten Wahn, dem heute jeder verfallen ist.
Die mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnete Künstlerin saß auf der Bühne, ohne eine Miene zu verziehen, ihr trockener Humor, gespickt mit boshaften Meldungen, ließ das Publikum von Herzen lachen.

So manches Mal klappte einem die Kinnlade bis zum Boden, wenn das kleine Mädel mit der roten Mütze auf der Bühne Aussagen im derbsten Wiener Slang à la „I reiß da den Schädl oba und scheiß da ins Gnack“ von sich gab, doch mit ihrer etwas naiv wirkenden Ausstrahlung, der Bodenständigkeit und der unaufgesetzten Art zog sie die Anwesenden in ihren Bann und sorgte für einen Abend voller Lacher und Schenkelklopfer.

Stefanie Sargnagel ist ein Universum an Schimpftiraden, eine Ausnahmeerscheinung und nicht nur eine Kunstfigur, sondern ein ehrlicher, mitten im Leben stehender Mensch, der sich den Mund nicht verbieten lässt und im wahrsten Sinne des Wortes so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Stefanie fand sich nach ihrer umjubelten Lesung noch an unserem extra eingerichteten Bücherstand ein, wo man mit ihr plaudern konnte und sich das erstandene Werk signieren lassen durfte.

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